Wir machen Innovation Workshops mit Unternehmen, die wissen wollen, wo KI ihnen hilft. Der erste Tag ist immer gleich: Am Ende hängen dreissig Ideen an der Wand, und alle sind begeistert. Der zweite Tag ist der wichtige.
Dreissig Ideen an der Wand
Chatbot für den Kundendienst. Dokumente automatisch zusammenfassen. Angebote schneller schreiben. Rechnungen prüfen. Ein Assistent für den Vertrieb. Alles gute Ideen, alles schon einmal gehört.
Das Problem ist nicht, dass die Ideen schlecht sind. Fakt ist: Dreissig Ideen heissen, dass keine gemacht wird. Oder dass die gemacht wird, die am lautesten vorgetragen wurde.
Die drei Fragen
Am zweiten Tag gehen wir die Wand durch. Jede Idee bekommt dieselben drei Fragen. Wer eine nicht beantworten kann, kommt runter.
Welche Entscheidung wird damit schneller oder besser? Nicht welcher Prozess wird automatisiert. Welche Entscheidung. Wenn die Antwort „keine, aber es spart Zeit" ist, ist das meistens eine Idee für ein Skript, nicht für KI.
Haben wir die Daten, und wer versteht sie? Ein Name. Wenn die Daten in drei Systemen liegen und niemand weiss, welches stimmt, ist das ein Datenprojekt. Das kann man machen, aber es ist nicht die Idee, die an der Wand hängt.
Was passiert, wenn es falsch liegt? Wer merkt es, wann, und was kostet es bis dahin? Wenn die Antwort „das darf nicht passieren" ist, ist die Idee noch nicht reif. KI liegt falsch. Die Frage ist nur, ob man es aushält.
Was übrig bleibt
Nach den drei Fragen sind von dreissig Ideen noch vier oder fünf an der Wand. Manchmal drei. Einmal eine.
Das sind die, bei denen jemand sagen konnte: Diese Entscheidung, diese Daten, dieser Mensch kennt sie, und wenn es schiefgeht, sieht es die Person am nächsten Morgen und korrigiert es. Mit denen kann man in vier Wochen etwas bauen, das läuft.
Und die fünfundzwanzig, die runtergekommen sind? Die sind nicht weg. Sie sind nur noch nicht dran. Einige werden zu Datenprojekten. Einige zu einfachen Automatisierungen ohne KI. Und einige sind in einem Jahr reif, wenn die ersten fünf gelaufen sind und das Unternehmen gelernt hat, wie sich ein System anfühlt, das manchmal falsch liegt.
Warum das niemand gern hört
Der zweite Tag ist unbequem. Am ersten Tag war alles möglich. Am zweiten ist plötzlich fast alles nicht dran. Ich habe Workshops erlebt, in denen die Stimmung deutlich gekippt ist.
Aber ich habe auch die Unternehmen gesehen, die den zweiten Tag ausgelassen haben. Die haben mit zehn Ideen gleichzeitig angefangen, in einem Jahr keine fertig gehabt und danach gesagt, KI funktioniere bei ihnen nicht.
Die drei Fragen sind nicht dazu da, Ideen zu töten. Sie sind dazu da, die eine zu finden, die wirklich gebaut wird.
Welche Entscheidung. Welche Daten, welcher Mensch. Was, wenn es falsch liegt. Wer diese drei Fragen beantworten kann, braucht keinen Workshop mehr. Er kann anfangen.
Geschrieben von mir. Die Gedanken, die Werte, die Learnings, die Fehler: alles meins. Grammatik und Rechtschreibung korrigiert unser eigenes Twin-Modell, das auf meinen Texten trainiert ist. Manchmal bleibt ein Hüpfer drin. Das ist dann auch von mir.